Abdolfattah Soltani im Hungerstreik

Der bekannte inhaftierte Menschenrechtsanwalt Abdolfattah Soltani und weitere politische Gefangene sind im Evin-Gefängnis in den Hungerstreik getreten, um gegen schwere Missstände bei Hygiene und medizinischer Versorgung zu protestieren. Im Folgenden veröffentlichen wir einen Aufruf von Maede Soltani, der in Deutschland lebenden Tochter Soltanis, ihren Vater zu unterstützen (mit kleinen redaktionellen Änderungen):

Am zweiten November, also dem 60. Geburtstag meines Vaters, hat er mit einem Hungerstreik begonnen. Anlass und Forderung dieses Hungerstreiks ist die schlechte gesundheitliche Lage von ihm und vielen anderen politischen Gefangenen im Evin-Gefängnis.

Es befinden sich darunter auch Gefangene, die in der Öffentlichkeit meist nicht näher bekannt sind. Sie sind überwiegend im selben Trakt (Nr. 350) wie mein Vater untergebracht. So wie Herr Mousavi und Karrubi (Oppositionsführer), die seit über zwei Jahren in Hausarrest sind, befinden sie sich in einer sehr schlechten gesundheitlichen Lage.

Akut sind über 10 Häftlinge betroffen, die keinen Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung erhalten. Auch wenn die Familien der Inhaftierten mehrfach die zuständigen Behörden und Personen über diesen Missstand informiert haben, änderte sich nichts an der Haltung der Zuständigen.

Da die gesundheitliche Situation der Gefangenen sich immer weiter verschlechtert, hat mein Vater nun mitgeteilt, dass er zusammen mit drei weiteren politischen Gefangenen - Amir Khosro Dalir Sani, Saeed Madani und Mehdi Khoda'i - einen nassen Hungerstreik zu seinem Geburtstag beginnt (nur Flüssigkeitszufuhr, wie Wasser, Tee usw.).

Daher bitte ich Sie auf diesem Weg um Ihre Unterstützung.

Diejenigen, die mit den Folgen eines Hungerstreiks vertraut sind, kennen bestimmt die Gefahren und Risiken, die für die Gesundheit der Gefangenen nun besteht.

Damit das Anliegen der Hungerstreikenden gehört wird, würde ich mich über Ihre Unterstützung und Solidarität freuen.

An Politiker und Bundestagsabgeordnete:

Bitte helfen Sie meinem Vater, indem Sie sich direkt an die iranische Regierung  wenden, Gespräche mit zuständigen Botschaften und/oder dem Justizministerium führen und sie auf die Lage meines Vaters und die elenden Missstände hinweisen. Presseerklärungen, Gespräche mit den iranischen Behörden oder Interviews mit Medien, all dies kann hilfreich sein.

An die Presse:

Bitte unterstützen Sie meinen Vater, indem Sie eine starke Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit herstellen, um die gefährliche Situation, in der sich mein Vater befindet, den Menschen näher zu bringen. Pressearbeit für einen Gefangenen, der sich im  Hungerstreik befindet, ist wie Wasser für einen Fisch, also lebensnotwendig. Bitte sorgen Sie bei Ihrem Verlag für die Verbreitung der aktuellen Nachrichten zu meinen Vater (und den anderen Hungerstreikenden). 

Es geht vermutlich um Tage, Stunden, in denen das Leben meines Vaters auf dem Spiel steht. Ich kümmere mich ganz sorgfältig darum, Sie auf dem Laufenden zu halten und stehe Ihnen jederzeit für Interviews zur Verfügung.

Mit besorgten Grüßen

Maede Soltani
Tochter von Rechtsanwalt Abdolfattah Soltani

 

PS: Mein Vater sagte immer: "Hungerstreik ist die letzte Lösung." Jetzt müsse er aber zu diesem letzten Mittel greifen, um die ihm und den anderen Gefangenen zustehenden Rechte einfordern zu können, die ihnen verweigert werden.