Berufungsrichter: Händeschütteln ist kein Verbrechen

Die politische Gefangene Atena Farghadani und ihr Anwalt Mohammad Moghimi wurden vom Vorwurf eines “illegitimen Verhältnisses” (wegen Händeschüttelns) freigesprochen.

Farghadani wartet derzeit im Evin-Gefängnis darauf, dass ein Berufungsgericht über ihre zwölfjährige Haftstrafe entscheidet. Sie und Moghimi wurden wegen eines "illegitimen Verhältnisses" angeklagt, weil sie sich während einer Verhandlung im Juni 2015 die Hand gegeben hatten. Die Gesetze der Islamischen Republik verbieten körperliche Berührungen zwischen den Geschlechtern außer bei Verwandten. Moghimi wurde wegen des Vorfalls vier Tage lang inhaftiert und anschließend auf Kaution freigelassen.

Ein Strafgericht befasste sich im Oktober mit dem Fall. Der Richter Majid Sharifzad urteilte nun, dass die beiden Angeklagten nicht gegen das Gesetz verstoßen haben.

Eine Entscheidung zu Farghadanis Haftstrafe steht aber noch aus. Sie  war in erster Instanz wegen Vergehen gegen die "Nationale Sicherheit", "Propaganda gegen das System" und "Beleidigung" verschiedener Politiker und Offizieller zu 12 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt worden. Hintergrund war eine Karikatur, auf denen sie iranische Parlamentarier als Tiere dargestellt hatte.

Farghadanis Mutter erklärte gegenüber der International Campaign for Human Rights in Iran, dass das lange Warten auf ein Berufungsurteil ihre Tochter und die ganze Familie schwer belastet.