Narges Mohammadi

Name: 
Narges Mohammadi
Alter: 
* 21. April 1972 in Zanjan
Beruf: 
Physikerin, Menschenrechtlerin
Haftort: 
Evin-Gefängnis, Teheran

Narges Mohammadi setzt sich seit ihrer Studienzeit für Reformen im Iran ein. Sie war Vizepräsidentin des Teheraner Zentrums für Menschenrechtsverteidiger, das die Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi gemeinsam mit Kollegen gründete.

Während ihres Studiums der angewandten Physik organisierte Narges Mohammadi mit Kommilitonen eine Studentenvereinigung namens Rowshangaran, d.h. "diejenigen, die Licht auf eine Sache werfen". Auch betätigte sie sich als Bergsteigerin, was ihr aber aufgrund ihres Engagements verboten wurde.

Nach dem Studienabschluss arbeitete sie als Ingenieurin sowie als Journalistin für reformorientierte Zeitungen. Sie schrieb unter anderem über Bürgerrechte, Frauenthemen und studentische Angelegenheiten. Zudem veröffentlichte sie ein Buch mit politischen Essays.

Im Jahr 1999 heiratete sie den Journalisten Taghi Rahmani, den sie während des Studiums kennengelernt hatte. Auch er ist Regimekritiker, gilt als der "meistverhaftete Journalist Irans". Insgesamt verbrachte er 14 Jahre im Gefängnis. Das Paar hat zwei Kinder, die Zwillinge Ali und Kiana

Narges Mohammadis Einsatz für die Menschenrechte intensivierte sich, als ihr Mann 2001 (zum ersten Mal seit der Hochzeit) verhaftet wurde. So kam sie 2003 zum Zentrum für Menschenrechtsverteidiger. Sie wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden des Zentrums gewählt und vertrat die Gründerin Schirin Ebadi mehrmals auf internationalen Konferenzen.

Als Taghi Rahmani 2011 eine weitere, siebenjährige Haftstrafe bevorstand, ging er ins Exil nach Frankreich. Narges blieb mit den Kindern im Iran, um weiter zu kämpfen. Die räumliche Trennung belastet die Familie sehr. Taghi hat keinerlei Möglichkeit, seine Frau zu kontaktieren, denn die Briefe des Paares werden im Iran abgefangen.

Narges selbst wurde ebenfalls mehrmals verhaftet und ist aktuell seit Mai 2015 im Evin-Gefängnis. Sie leidet an einer neurologischen Erkrankung, welche Muskellähmungen verursacht. Wahrscheinlich wurde diese durch den Stress infolge der Gefängnisaufenthalte ausgelöst.

Ihre Geschichte in Stichpunkten:

  • 1998: ein Jahr Gefängnis wegen Kritik an den Menschenrechtsverletzungen des iranischen Regimes
  • 11. Juni 2010: Verhaftung und Hausdurchsuchung
  • 1. Juli 2010: Freilassung auf Kaution (50.000 $) wegen gesundheitlicher Probleme, ein Monat Krankenhaus
  • 11. Februar 2011: Nervenzusammenbruch nach einer Wohnungsrazzia, erneuter Krankenhausaufenthalt
  • 27. September 2011: Verurteilung zu 11 Jahren Haft wegen "Absprachen gegen die nationale Sicherheit", "Propaganda gegen das System" und "Mitgliedschaft im Zentrum der Menschenrechtsverteidiger"
  • 5. März 2012: Strafe wird nach Berufung auf 6 Jahre reduziert
  • 21. April 2012: Haftantritt im Evin-Gefängnis
  • Juli 2012: Krankenhausaufenthalt ohne Recht auf Besuch
  • 31. Juli 2012: Entlassung aus dem Evin-Gefängnis (auf Kaution)
  • 26. Dezember 2014: Verhaftung und Freilassung am gleichen Tag wegen Teilnahme an einer Gedenkfeier
  • 5. Mai 2015: Verhaftung und Transfer ins Evin-Gefängnis
  • seitdem Berichte über schwere Gesundheitsprobleme

Narges Mohammadi wurde 2009 mit dem Internationalen Alexander Langer Preis und 2011 mit dem Per Anger Preis der schwedischen Regierung ausgezeichnet. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und Politiker aus aller Welt haben sich für ihre Freilassung ausgesprochen. Ihre Kinder leben mittlerweile bei ihrem Vater Taghi Rahmani in Frankreich.