Ali Schirasi

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Dieser Weblog wird seit dem Jahr 2004 ehrenamtlich von acht Personen deutscher und iranischer Herkunft betrieben. Wir verteidigen die Menschenrechte, unterstützen Politische Gefangene und berichten regelmäßig über die aktuelle politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation im Iran.
Updated: 39 min 15 sec ago

Hinrichtung von Mohammad Salas

19. Juni 2018 - 22:00

Gestern, den 18.6.2018, wurde das 51-jährige Mitglied des iranischen Gonabadi-Ordens, Mohammad Salas, im Iran hingerichtet. Seine Anwältin, Zeinab Taheri, hat aus diesem Anlass eine öffentliche Erklärung zur Unrechtmäßigkeit seiner Verurteilung abgegeben und wurde noch am gleichen Tag verhaftet.


Mohammad Salas, am 18.6.2018 im Iran hingerichtet

Mohammad Salas war im Februar 2018 bei einem Sitzstreik von ca. 1000 Anhängern des Gonabadi-Ordens festgenommen worden. Dies geschah im Rahmen von gewaltförmigen Auseinandersetzungen zwischen den Derwischen und der Polizei, bei denen auch mehrere Polizisten ums Leben gekommen waren, als ein Bus in sie hineinfuhr. Der 51-jährige M. Salas wurde beschuldigt, den Bus gefahren zu haben, obwohl Zeugen aussagten, dass dies ein junger Mann gewesen sei, der fliehen konnte.

Die Festnahme von Mohammad Salas muss extrem brutal vonstatten gegangen sein. Amnesty International dokumentierte, dass er über mehrere Stunden in der Polizeistation geschlagen und gefoltert worden war. Er wurde bewusstlos in ein Krankenhaus eingeliefert, wo zahlreiche Brüche, Kopf-Verletzungen mit Schnitten, die genäht werden mussten, gebrochene Zähne und eine gebrochene Nase festgestellt wurden. Er hätte sein Augenlicht verloren. Unter Medikamenten und kaum bei Bewusstsein wurde ihm noch im Krankenhaus ein „Geständnis“ abgenommen. Es sollte im anschließenden Prozess das einzige Beweismittel bleiben.


Zeinab Taheri, Anwältin von Mohammad Salas und mittlerweile inhaftiert

Zu keiner Zeit imVerfahren hatte Mohammad Salas‘ Anwältin Zugang zu ihrem Mandanten. Die kritischen Einwände ihrerseits, die seine Unschuld beweisen, wurden völlig ignoriert. Sie erklärte, dass ihr Mandant nicht der Busfahrer gewesen sei. Es gäbe keine Zeugen, kein Video und auch keine Fingerabdrücke, die das belegen würden. Im ersten Prozess hätte Mohammad Salas alle seine unter Folter gemachten Aussagen widerrufen. Später sei es zu weiteren Folterungen gekommen, selbst im Krankenhaus. Im zweiten Prozess konnte er sich kaum noch äußern.

Zeinab Taheri bestätigte, dass Mohammad Salas gefoltert worden ist. Die Angehörigen von Mohammad Salas hätten nach der Hinrichtung eine Obduktion gefordert, die aber von der Regierung nicht zugelassen worden sei. Sie fragte, wovor die Regierung bei einer Obduktion Angst habe, wenn sie ihn nicht geschlagen und gefoltert hätte. Auch die Beerdigung konnte laut der Anwältin nicht an einem Ort stattfinden, den sich die Familie ausgesucht hatte, sondern wurde in einer weit entfernten Stadt durchgeführt.

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Iran: Schulen ohne Klo

17. Juni 2018 - 14:08

Laut einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tabnak fehlt vielen Schulen im Iran nicht nur ein Sportplatz, Laboratorien oder eine Schulbücherei, in ärmlichen Gegenden sind viele Schulen nicht einmal mit Toiletten ausgestattet.
Seyyed Mohammad Batha‘i, der aktuelle Kultusminister des Irans, erklärte kürzlich auf einer Sitzung des Obersten Organisationsstabs zum Ausbau und zur Förderung der Leibeserziehung (Setade °aliye tashkilatiye gostaresh wa erteqaye fa°aliyathaye tartibe badani), dass er kürzlich beim Besuch einer Schule festgestellt habe, dass sie über keine Toiletten verfügte. In der Nähe sei aber ein Gebäude mit Toiletten gewesen. „Na, was will man mehr?“ sagte der Minister: „Sollte man diese Möglichkeit nicht den Schülern zur Verfügung stellen?“
Statt also Haushaltsmittel bereit zu stellen, damit die Schulen für Toilette ausgestattet werden, sieht der Minister die praktische Lösung darin, sie in Nachbargebäude zu schicken.
Doktor Kamran, Parlamentsabgeordneter von Isfahan, kritisierte im Gegenzug gegenüber, dass für die Renovierung der Toiletten im siebenstöckigen iranischen Parlament rund 300 Millionen Tuman ausgegeben werden. Der Auftrag wurde ohne Versteigerung vergeben.
Dies zeigt nur, dass das ohnehin recht kleine Budget (die Hauptsummen des Erdölexports wandern verdeckt in die Taschen der Pasdaran und ihres Umfelds) eher der Selbstbedienung der Entscheidungsträger dient als dem Land.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=157362
vom 14. Juni 2018 (24. Chordad 1397)

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Iran – Ahwas: Der Protest der Stahlarbeiter hält an

13. Juni 2018 - 9:20

Die Stahlarbeiter der Fabrik „Goruhe Melliye Fulad“ in Ahwas haben auf ihrem Protestmarsch vom Montag, den 11. Juni 2018, unter anderem folgende Parolen gerufen:
„Suriye-ro raha kon – fekri be hale ma kon“ – Lass Syrien in Ruhe und denk mal an uns.
„Hoquqa-ro nemidan, marg bar amrika – doshmane mun haminjas, dorugh migan amrikast“ – Sie zahlen die Löhne nicht (und rufen) Tod über Amerika, aber unser Feind ist hier, sie lügen, wenn sie
sagen, es sei Amerika.
Laut einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur ILNA sind am Montag 4000 Stahlarbeiter in Ahwas auf die Straße gegangen. Sie forderten die Zahlung der ausstehenden Löhne und
Sozialversicherungsbeiträge, ohne die sie keine ärztliche Behandlung erhalten, und sie verlangten eine Klärung der Besitzverhältnisse.
Aus dem Ministerium für Kooperativen, Arbeit und Wohlfahrt sowie aus der Provinzverwaltung heißt es, dass das Eigentum an der Stahlfabrik an die Nationalbank (Banke Melli) zurückgegangen
sei. Dem steht entgegen, dass der momentane Eigentümer, Abdolresa Mussawi, sowie seine Direktoren nach wie vor in der Firma anwesend sind.

Drohung des Polizeichefs
Der Kommandant der Sicherheitskräfte von Ahwas warnte die versammelten Arbeiter, es sei eine ernsthafte Option, dass die Firma den Konkurs erkläre und stillgelegt werde, so dass die Arbeiter
dann nur das Arbeitslosengeld erhielten. Er erklärte auch, dass ein Budget zur Verfügung gestellt werde, damit die Firma wieder tätig werden könne. Dass hier der Polizeichef Argumente vorträgt,
die in einer Marktwirtschaft üblicherweise von den Vertretern des Kapitals geäußert werden, zeigt deutlich, dass die Wirtschaft im Iran nach anderen Regeln funktioniert.

Besuch bei den Abgeordneten
Die erzürnten Arbeiter statteten auch den Wahlbüros von drei Abgeordneten der Stadt im Parlament ab, schlugen dort die Scheiben ein und demolierten einige Gegenstände, um so ihren Unmut über
deren Untätigkeit kund zu tun.

Vorladung der Sicherheitspolizei
Von den protestierenden Arbeitern erhielten sieben in der vergangenen Woche eine Vorladung von der Sicherheitspolizei (Polise amniyat) von Ahwas. Sie lehnten es ab, der Vorladung zu folgen,
solange sie nicht schriftlich eingehe. Frühere Festnahmen von Arbeitern der Stahlfabrik endeten mit deren Freilassung, nachdem ihre Kollegen protestiert hatten.

https://www.radiofarda.com/a/iran_saqez_ahwaz_workers/29283510.html
edameye e°teraze kargarane goruhe melliye fulad. hamshahri be gush bash, ahwaz saheb nadare
vom 11. Juni 2018 (21. Chordad 1397)

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